Sommer, Sonne, Strand, Sangría


Sangria
Manchmal bekomme ich ja nette Mails von Menschen, die meinen Blog hier gelesen haben. So zum Beispiel Ende letzter Woche diese hier von Birgit:

„Hallo Frau Heyne, wir sind heute Nacht aus einem supertollen Urlaub aus Fuerteventura zurückgekommen und es würde mich interessieren, ob Sie auch so ein tolles Sangría Rezept haben, wie Ihr Originalrezept der Papas arrugadas con mojo. Bin schon sehr gespannt auf Ihre Antwort. Viele liebe Grüße, Birgit“

Da musste ich jetzt doch erst mal fachfrauischen Rat einholen, um Birgit anständig antworten zu können! Wir machen zwar manchmal schon auch Sangría, allerdings eher selten und wenn, dann eher spontan und nicht so richtig nach Rezept (mehr so nach der Devise: was ist denn noch da und muss weg?). War aber kein Problem, meine Freundin Mireia, die Gastronomin ist und über jede Menge Erfahrung als Barkeeperin verfügt, konnte mir da natürlich sofort weiterhelfen. Sie erklärte mir, dass es - wie bei den meisten traditionellen Gerichten - auch für Sangría in Spanien ungefähr so viele Rezepte gibt wie Menschen, die Sangría machen. Mit der Ballermann-Sangría, die vielen Deutschen im Mallorca-Urlaub einen dicken Kopf beschert, hat die richtige Sangría allerdings wenig gemeinsam. Sie ist eine hier im Sommer gern getrunkene, erfrischende und deutlich weniger alkoholhaltige Alternative zum Wein; ähnlich wie der ebenfalls sehr beliebte tinto de verano, der „Sommer-Rotwein“: eine Mischung aus Rotwein und entweder saurem Sprudel oder Zitronenlimonade. Beide Getränke gibt es in den meisten Supermärkten aufgrund ihrer Popularität auch als Fertigprodukte zu kaufen, aber natürlich schmeckt selbst gemachte Sangría viel besser.

Der Vorläufer der Sangría soll übrigens aus dem Mittelalter stammen; er hieß Hypocras und war ein Gemisch aus Wein, Obst, Zimt und Zucker, das sowohl kalt als auch heiß getrunken wurde. Im 18. Jahrhundert dann entdeckten die Briten ihre Vorliebe für den Claret Punch als Cocktail- und Partygetränk (der im Wesentlichen aus Rotwein aus der Bordeaux-Region, Zitrone, Zucker und kohlensäurehaltigem Wasser bestand). Das Wort Sangría ist abgeleitet vom spanischen sangre - Blut -, allerdings gibt es auch eine weiße Sangría - sangría blanca - die dann statt mit Rotwein natürlich mit Weißwein zubereitet wird.

Wichtig ist es in jedem Fall, auf hochwertige Basisprodukte zu achten - der Rotwein muss jetzt natürlich nicht im Gault Millau gelistet sein, aber vom Zwei-Euro-Rotwein aus dem Tetrapak würde ich doch dringend abraten, sofern man nicht am nächsten Tag wirklich gar nichts vorhat und problemlos mit Eisbeutel auf dem Hirn im Bett bleiben kann. Viele Sangría-Rezepte enthalten Hochprozentiges (meistens Brandy, seltener Rum), das von meiner Freundin Mireia nun nicht. Wie bei allen Rezepten ist das natürlich eine reine Geschmackssache - ich mag Mireias gerade deswegen gerne, weil die Sangría dann eben nicht so „reinhaut“, was ich gerade an heißen Tagen überhaupt nicht brauchen kann. Bin ja schließlich nicht im Urlaub hier und auch keine zwanzig mehr ...

Auch wichtig: Die Sangría in jedem Fall nach der Zubereitung mindestens zwei Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen; besser noch über Nacht. Auf diese Weise haben die Zitrusfrüchte genügend Zeit, das Getränk zu aromatisieren. Man kann auch noch frische Pfirsiche und/oder säuerliche Äpfel zusätzlich verwenden, aber hier macht man das eigentlich nicht, hier kommen nur Zitrone und Orange in die Sangría. Was allerdings gar nicht geht, sind Dosenfrüchte aller Art - das bitte unbedingt sein lassen! Ist ein Sakrileg! Serviert wird Sangría hier übrigens meist in einem Glas- oder in einem Tonkrug. Natürlich kann man vor dem Servieren zusätzlich noch Eiswürfel reinschmeißen, um das Ganze an einem heißen Tag länger kalt zu halten, aber ich finde das eigentlich immer schade - es verwässert den Geschmack. Lieber die Hälfte des Getränks im Kühlschrank stehen lassen und nur nach und nach servieren. (Kleiner Tipp: hier packen die Lokale im Sommer die Gläser für Bier oder Sangría oft vorab einige Zeit leer in die Tiefkühltruhe. Funktioniert hervorragend; das Glas selbst hält dann das Getränk lange kühl, ohne es zu verwässern.)
Und hier nun endlich Mireias Sangría-Rezept für heiße Sommertage in Deutschland (oder sonst wo):
  • 1 l guter Rotwein (z. B. ein trockener Rioja)
  • 1 Dose Fanta Zitrone
  • 100 ml Pfirsichsaft
  • 100 ml Cointreau
  • brauner Zucker (nach Geschmack, anfangen kann man mal mit zwei gehäuften Teelöffeln)
  • je eine große, unbehandelte Zitrone und Orange
Den Zucker mit dem Likör und dem Pfirsichsaft mischen, bis er sich ganz aufgelöst hat. Nach und nach den Wein und die Fanta dazu gießen. Die Zitrone und Orange in Scheiben schneiden und dazu geben. Durchziehen lassen und genießen!

Kuriosität am Rande: am 20. Dezember ist National Sangría Day, verrät mir das Internet. Wer hat‘s erfunden? Nein, die Spanier nicht - natürlich die Amerikaner. Warum ausgerechnet am 20. Dezember (in Vorbereitung auf den Weihnachtsstress und zur Entspannung der häuslichen Krisenlage??) und warum ausgerechnet in den USA - keine Ahnung. Erklärt wird das auch auf der offiziellen Website des Feiertags nicht wirklich. Aber hey, uns ist ja eigentlich jeder Anlass recht, einen zu heben, oder? ¡Salud!

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